Annapurna Sanctuary

20111014.060746.IMG_7771Vorweg muss man sagen, der Annapurna Sanctuary Trek (oder Annapurna Basecamp Trek) ist keine Wildniswanderung, wie wir sie so schätzen. Trotzdem erreicht man bei der Wanderung in das Amphitheater des Annapurnamassivs einen der beeindruckensten Orte dieser Erde. Nebenbei erfährt man viel über Nepal und die Lebensweise der Nepalis außerhalb Kathmandus.

Der Trek kann auf vielerlei Weise gelaufen werden, von nur einer Kamera in der Hand, einem Führer vorne weg und drei Trägern hinterher, bis hin zu einem 25 Kilo Rucksack mit Zelt und gesamter Verpflegung auf dem Rücken haben wir alles gesehen. Wir hatten uns für einen “selbstständigen Mittelweg” entschieden: wir verzichteten auf Führer und Träger, trugen Schlafsäcke und Isomatten im Gepäck, schliefen in den Lodges auf einfachen Betten (ohne Bettdecken) und aßen in den angeschlossenen Restaurants. Bewundernswert, jedoch auch als ein wenig verrückt einzustufen, waren diejenigen, die vor den Lodges ihr Zelt aufschlugen und in der Eiseskälte des Basislagers buchstäblich vor der Tür schliefen. Weniger Bewunderung hegten wir für die in professionell durchgestylten Trekkinganzügen gekleideten Asiaten, für die selbst der Tagesrucksack zu viel zu sein schien und entsprechend die Wasserflasche an den Träger übergeben hatten. Übergeben hätten wir uns beinahe beim Anblick der ultimativen Steigerung: Seidene Handschuhe und Gesichtsmaske sowie Sonnenschirm. Warum geht man wandern, wenn man die Umwelt so verabscheut, dass man sich so von ihr abschirmen muss?

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Es wird so häufig gesagt, über eine Wanderung: Der Weg ist das Ziel. Oft ist dies eine Floskel der Beschwichtigung, doch hier trifft es (beinahe) zu. Das Tal des Modi Kolah, durch das man aufstieg und die vielen weiteren Täler, die man durchquert, zeigen Nepal in seiner ganzen Pracht: Wälder und Bäche, Felsen und Wasserfälle, Felder und Dörfer. Und dennoch, bleibt das Ziel das Ziel: nach fünf Tagen und 4400 m Aufstieg erreichten wir das Annapurna Sanctuary, ein Amphitheater der Berge. Hier seht man auf 4130 Meter und sieht um sich herum nur Berge; wunderschöne, schneebedeckte Berge in jeder Himmelsrichtung. Berge die noch mal so hoch sind, wie man eh schon steht, ragen sie bis 8000 Meter über das Meer hinaus. So viel Glück hat nicht jeder, denn das Wetter spielte mit und sogar der Mond war auf unserer Seite. Am Tag, an dem wir das zweithöchste Lager im Sonnenaufgang erlebten, ging zur gleichen Zeit der Mond unter, genau über dem Kangsar Kang und Gangapurna. Während des Abstiegs (der trotzdem nochmal 1340 m Aufstieg enthielt, fast alles an einem Tag) zeigte sich der Himmel eher bedeckt, was aber angesichts 47 km in drei Tagen auch gut so war, denn die Passagen mit Sonne waren schon anstrengend genug.

Anders als bei unseren anderen Wanderungen war es hier nicht Ziel sich der Menschheit zu entziehen. Über 80% der Nepalesen leben auf dem Land, und was dies für viele bedeutet, lernt man auf einem solchen Trek durch die Dörfer kennen. Straßen gibt es keine, und so müssen alle Dinge, die nicht selbst erzeugt werden können, ins Dorf getragen werden. Einen Teil des Wegs hinauf gelangen Eselskaravanen, wenn die Wege zu unwegsam und schmal werden, müssen Menschen herhalten! Es werden Essenszutaten, aber auch Matratzen, Kühlschränke oder Materialien zum Hausbau auf dem Rücken der Träger die Berge hochgeschleppt, selbst vor riesigen Gasflaschen machen die Bambuskörbe der unscheinbar aussehenden Kraftprotze keinen Halt.

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Was wächst, wird vor Ort angepflanzt, in dem wunderbar fruchtbaren Himalayaboden. Zur Weiterverarbeitung des Getreides gibt es mit Wasserkraft betriebene Mühlen und daraus backen findige Nepalesen in einer “German Bakery” Apfeltorte oder Schokoladenkuchen und andere Köstlichkeiten. Und auch wenn die Speisekarte der Lodges von der Parkorganisation vereinheitlicht wurde, so ist natürlich die Kunst der Köche sehr unterschiedlich, an manch einem Ort hätten wir gerne gleich zwei mal übernachtet, so lecker waren die gebotenen Mo-Mos (gedampfgarte gefüllte Teigtaschen), der fried rice oder natürlich das Dal Bhat (bei dem es wie immer eine zweite Ladung umsonst dazu gibt).

Weil Ben sich in der Nacht vor Abreise den nächsten bösen Magen-Darm-Infekt eingefangen hatte, entschieden wir uns auf dem Aufstieg den verlorenen Tag aufzuholen, was angesichts der geringen Höhe der ersten Tage auch problemlos gelang. Auch auf dem Abstieg entschieden wir uns, einen Tag schneller zu sein als vorgesehen, was zwar in einem Tag der Qualen für unsere Füße endete (immerhin 17 km, 1300 m Aufstieg und 1500 m Abstieg), doch mit einer wunderbaren Lodge in Gandruk belohnt wurde. Am Tag drauf freuten wir uns über Eiscreme und kalte Getränke und verübten einen Giftgasanschlag auf denjenigen, der unsere Socken und T-Shirts in die Waschmaschine stecken musste.

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