Zwischen Wunder und Flohterror

20110427.174732.IMG_1454In San Juan angekommen belegten wir das Zimmer in unserem vorreservierten Hostel… äh Absteige. Nicht nur, dass das Zimmer nur aus zwei übereinander gestapelten Matratzen bestand und auch der Rest des Hauses dreckig, ungemütlich und schlicht ungenießbar war, wurde Kristina in der Nacht von unzähligen (Floh-?)Bissen übersäht, die am Tag zwar tierisch juckten und rot wurden, doch erst mehr als 24 Stunden später in Form von serösen Quaddeln und unerträglichen Juckreiz ihren Höhepunkt erreichten. Zu dem Zeitpunkt hatten wir bereits eine zweite Nacht in dem Bett verbracht, was dank großzügiger Anwendung von Autan Insektenspray (auf Körper und Bett) nur noch eine geringere Anzahl neuer Bisse verursachte, sich jedoch psychisch zur einer Herausforderung entwickelte, die man retrospektiv durch einen Wechsel des Hostels oder zumindest des Zimmers vermeiden hätten können. Etwas irritiert hat uns sicherlich, dass Ben keinen einzigen Biss abbekommen hatte oder zumindest keinerlei Reaktion gezeigte hatte. Dank Fenistil und Cortison war das Ganze zwangsläufig einigermaßen erträglich (bis auf den Gedanken, der Floh könne ja noch irgendwo rumspringen), aber noch 6 Tage später hält der Juckreiz weiterhin an.

Mit dem Auto, mit dessen Organisation wir in San Juan einen ganzen Tag verbracht hatten – Agenturen ablaufen, Angebote einholen, Versicherungen vergleichen, die fünfstündige Siesta abwarten um ein letztes Angebot einzuholen, dann feststellen dass die Agentur mit dem “vernünftigsten” Angebot ohne Öffnungszeiten operierte (wie zwar alle andern auch, aber hier erschien halt nach der Siesta keiner mehr) um Ende kurz vor Torschluss ein Auto für etwas mehr nehmen zu müssen – ermöglichte uns den Besuch dreier Nationalparks und vieler abgelegener Gegenden, die ohne kaum zu sehen sind.

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Ischigualasto und Talampaya sowie El Leoncito liegen in Tälern östlich der Anden, die in Schönheit und Abwechslungsreichtum ihres Gleichen suchen. Canyons und  Sandsteinformationen in allen Farben und Größen, Berge bis 6000 m, eine einmalige Naturbrücke, und viel, sehr viel karge Steppenlandschaft. Die Bilder sprechen wohl für sich, nur so viel: Fossilien wurden hier ausgegraben, das älteste bekannte Dinosaurierskellett, Steinmalereien aus Inca-Zeiten, Canyonwände machen den berühmten Nationalparks in Südwesten der USA Konkurrenz und wenn es an drei Tagen im Jahr regnet, erleben wir einen davon. (Die regnerische Nacht auf einem Campingplatz in San Jose de Jachal war dank des einheimischen Pärchens mit dem wir den Abend verbrachten richtig interessant). In El Leoncito hielt sich das Wetter an die Vorgaben (hier stehen Observatorien weil eines der wolkenärmsten Gegenden der Welt), jedoch kamen wir genau einen Tag zu spät an, ab dem 29.5. gibt es keine nächtlichen Besichtigungen der Sternwarten.

Wie das mit dem Auto so ist, fährt es dorthin wo man es lenkt. Allerdings muss man es auch lenken, damit es wohin fährt. Dies macht hier noch deutlich weniger Spaß als in Chile, denn Straßenschilder mit Richtungsangaben oder Straßenkennungen sucht man vergeblich, und Baustellen sind schon gar nicht abgesperrt, und Sackgassen 120 km im Nichts auch nicht im Voraus als solche gekennzeichnet. Auf dem Weg von PN Talampaya nach San Jose de Jachal wird viel gebaut, es entstehen Kreisel und Kreuzungen und an keinem steht ein Schild. Wenn man meint alle Informationen richtig zusammen gebastelt zu haben, fährt man halt wo lang es geht und schaut wo man raus kommt, es ist ja nicht schlimm, wenn es nicht genau stimmt, man will ja auch nur grob in dieses oder jenes Tal. Wenn allerdings nach 120 km auf neuer Straße diese plötzlich endet, eine Wanderbaustelle mit Zementfabrik und Schotterabbau, erfährt man vom netten Straßenbaubauarbeiter, dass es hier nicht weiter geht, man müsse  zurück fahren. Als dann plötzlich eine der vielen Umleitungen der Umleitung, auf eine uns nicht bekannt vorkommende Straße führt, meldet der nächste Bauarbeiter man müsse nun einfach hier weiter fahren, dann käme man schon dorthin, wo man hinwolle. Man solle einfach bis zu zur T-Kreuzung fahren. Und tatsächlich, dort steht dann auch ein weiterer Aufseher, der gerade eine riesige Planierraupe dirigiert und grinsend fragt, ob man nun nach Jachal wolle, hier nun rechts. 240 km durch die Pampa. Auch ein Erlebnis. Alles nicht so schlimm wie der Stadtverkehr in Mendoza, denn wie es mehrere Bücher und Internetseiten bestätigen, das Fahren hier ist an sich ein Abendteuer: Keine Geschwindigkeitsbegrenzungen und zwischen 15 und 90 km/h ist alles üblich, gefahren wird, wenn der andere Rot hat und nicht wenn man selber grün hat (also fahren alle los bevor die Ampel auf grün steht), wenn es keine Ampel gibt eine Mischung aus undefinierbarer Verkehrsregel, Intuition, Größe des Autos und Mut um festzulegen, wer Vorfahrt hat und fast alles ist eine Einbahnstraße, nur dass man dies oft nicht weiß bis man versucht verkehrtherum in eine einzubiegen. In den Gewirr von Einbahnstraßen und weiteren diesmal riesig ausgeschilderten Linksabbiegeverboten hat der Beifahrer auch mehr als Genug zu tun das Ziel zu finden. Am Ende ging alles gut, doch die Glatze ist sicherlich um ein paar Quadratcentimeter größer und Kristinas Nebennierenrinden dürften ebenfalls zeitweilig leer gewesen sein.

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4 Antworten auf Zwischen Wunder und Flohterror

  1. Oli sagt:

    Äh — okay. Autos.
    ABER WIE WAR DER TREK???????????
    W-I-L-L M-E-H-R I-N-F-O !!!
    😉

    Und vor allem: wie heißt das Llama?

    • Ben sagt:

      Häh, welcher Trek? Diesmal nicht getrekt.

      Ich glaube das Guanaco stellte sich als Jose Fernando Gonzales de Hernandez vor, wenn ich mich recht erinnere.

  2. Kathrin sagt:

    Was für Kletterwände!!!

    • Ben (Admin) sagt:

      Nur, dass das meiste ein Sandstein ist, der keine Haken halten würde und friends und so sowieso nicht… wenn du denn dann auch nur einen einzigen Griff in den glatten Passagen finden könntest.

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