Kulinarium Lima

20110719.170747.DSCF3821Als Francisco Pizarro 1535 Lima gründete, war es Sommer. Er blickte auf eine wunderschöne Küste und dachte nur Gutes als er sich entschloss die Stadt gründen, die prädestiniert sein würde um dem noch zu entstehenden Land eine Hauptstadt zu werden. Nur wusste er damals nicht, dass aufgrund eines eigenartigen Mikroklimas, während März bis Oktober, die Küste hier stets in einem grauen Weiß verhangen ist und häufig ein trauriger Nieselregen niedergeht. Es ist Juli. Ergo: Weißgrauer Himmel und Regen.

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Nachdem zahlreiche Literaten aufgrund der elenden Winter depressiv wurden und große Werke der lateinamerikanischen Literatur schufen, fanden Feinschmecker in ihren Küchen Schutz vor dem Ekelwetter und bastelten an den Gerichten, die die peruanische Küche zu den bedeutensten kulinarischen Entwicklungen unserer Zeit machten. Und es gilt, wer etwas auf sich hält, versucht ein Restaurant in Lima zu betreiben. Herausgekommen ist für uns ein kulinarischer Dreitages-Marathon:

Las Brujas de Cachiche: Eine Vorspeise aus in Limonenbutter sautierten Venusmuscheln, ein technisch perfektioniertes Lomo Saltado und ein leider etwas durch die Panade übertünchter Mero. Für die Vorspeise würden wir uns überlegen den Flug nach Japan zu verpassen.

Fiesta: Ceviche mal anders, der sonst in Zitronensaft eingelegte rohe Fisch (und manchmal Meeresfrüchte) wurde hier noch mal kurz auf Maisblättern geraucht, das Ergebnis einzigartig und faszinierend, jedoch würden wir beim klassischen Ceviche bleiben. Das Saltado von Meeresfrüchten begeisterte durch unendlich frische Muscheln und Octopus, erschien jedoch weniger zur Saltado-Sauce zu passen als das traditionelle Rindfleisch. Umwerfend war die für Nordperu (und dort bereits zweimal gegessene) Ente im grünen Reisbett, so saftig und raffiniert gewürzt gibt es sie wohl nur hier.

Astrid y Gaston: Als uns bei Betreten des Restaurants “nur” ein Platz in der Bar angeboten wurde, grämten wir uns, nicht reserviert zu haben, bis uns mitgeteilt wurde, dass es mit der Reservierung für den folgenden Tag auch nichts werden würde, sie seien bis nächste Woche komplett ausgebucht. Der Platz, den wir annahmen, hatte dann eine entspannte Atmosphäre ohne an Eleganz zu verlieren, so dass wir im Nachhinein froh waren, nicht an einem regulären Tisch gesessen zu haben. Als Vorspeise teilten wir uns ein “Peking Meerschwein” eingeschlagen in Creps aus schwarzen Maismehl. Als Hauptgerichte folgten “Ein schöner Thunfisch”, scharf angebraten jedoch mit riesigem englischen Kern, garniert mit Kokusschaum, Tamarindo- und Huacatay Saucen sowie ein Seeteufelfilet mit Mais- und Pilzroulade. Ein Tapiocapudding mit Guavasorbet und drei aus verschiedenen Cremes und Sorbets zusammengesetzte Zuckerschaumkugeln rundeten das Erlebnis ab, welches zumindest Ben beim ersten Bissen des Thunfisches buchstäblich Freudentränen in die Augen trieb. Nicht ohne Grund nennt San Pelegrino genau dieses Restaurant als eines der 50 besten Restaurants weltweit. (Nach Armin Karrers Hirschen in Fellbach unser spektakulärstes kulinarisches Erlebnis – und so viel bezahlbarer!)

Nach zwei hervorragenden Restaurants und einem Weltspitzenklasseerlebnis verlassen wir diese sonst so deprimierende Stadt, die wie so viele Metropolen dieser Größe ihren individuellen Charakter inmitten von McDonalds und Pizza Hut, Kaufhausketten und Starbucks nur langfristigen Bewohnern eröffnet.

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