Südamerika

In Argentinien begann unsere Reise am 24.2.2011. Wir verbrachten insgesamt 34 Tage in Argentinien und reisten dafür vier mal ein, unzählige Seiten in unseren Pässen sind mit Ein- und Ausreisestempel der argentinischen Grenzer versehen. Im Schnitt gaben wir € 88,13 pro Tag aus, was günstige (wenn auch nicht immer die allergünstigsten) Unterkünfte beinhaltete, doch meist für ein Doppelzimmer ohne eigenes Bad reichte. Auch um Geld zu sparen, aber natürlich in erster Linie um die wundervolle Landschaften zu genießen, verbrachten wir einige Nächte auf Campingplätzen, teilweise mit gemietetem Auto. Letztes zu fahren war eine Herausforderung, in Mendoza Ursache für eine größere Glatze, aber nicht unmöglich. Unvergesslich bleiben der Paso de la Oveja Trek auf Feuerland, der Cerro Torre im Sonnenaufgang und natürlich das Lomo de Bife mit tiefrotem Malbec serviert. Verzichten hätten wir können auf den Floh im Bett in San Jose und als Tourist von Taxifahrern und Metzgern übers Ohr gehauen zu werden. Trotzdem: Viva Argentina!

In Chile verbrachten wir 45 Tage und reisten mit fünf mal sogar noch häufiger ein als nach Argentinien. Mit durchschnittlichen Tagesausgaben von € 90,88 war es für uns das teuerste Land, aber in vielerlei Hinsicht auch das entwickelteste. Auch hier leisteten wir uns überwiegend Doppelzimmer, wenn wir nicht gerade neun Tage am Stück im Zelt verbrachten. Den geregelten Verkehr als Fußgänger genießend (hier hat man als einziges Land in Südamerika als Fußgänger so etwas wie ein Existenzrecht und wird nicht schlicht und einfach bei jeder Gelegenheit von der Straße gejagt), versuchten wir dies auch hier mit dem Autofahren und können dies mutigen Europäern sogar empfehlen. Innerlich gespalten bleiben wir über Torres del Paine (9 Tage Trekking am Stück sind immer cool, aber kalt war es halt auch, und nass, nass, nass). Das wohl mitunter beste (nicht Steak) Essen genossen wir in Chile, bis auf die Frühstücke, die einem kriminellen Akt gleichen. Nie wieder brauchen wir ein chilenisches Frühstück, und die Trekkermassen um Torres del Paine.

Bolivien ist Faszination pur. Im ärmsten Land lebten wir 43 Tage lang für € 62,86 pro Tag wie Könige: Wir wohnten in guten Mittelklassehotels und aßen in den besten Restaurants. Natürlich schliefen wir auch hier teilweise im Zelt, jedoch weniger als in den mehr entwickelten Ländern, dafür ist die Sicherheitssituation an vielen Stellen zu heikel: Wo Touristen sind, sind solche die sie ausrauben, wo keine Touristen sind, fehlt die Infrastruktur komplett. Wunderschöne Landschaften finden sich neben kargen Wüsten und dichten Urwäldern. Jederzeit wieder würden wir uns über Lama- und Alpacafilet freuen aber auch die einfachen Mittagsessen im Mercado central könnten uns locken. Bis wir wiederkommen wünschen wir uns die Abschaffung elektrischer Duschen und ein gesteigertes Hygienebedürfnis der Bolivianer. Außerdem raten wir dem Land von ständigen Straßenblockaden abzusehen. Vamos a ver…

Für Peru blieben leider nur 25 Tage, in denen wir für € 85,49 pro Tag im Vergleich zu Bolivien etwas zurückschrauben mussten, doch noch günstiger davon kamen als in Chile oder Argentinien. Da jedes Essen Kartoffeln und Reis mit sich bringen, wird es etwas eintönig, aber das Lomo Saltado werden wir in unser Speiserepertoire aufnehmen. Weil der Flug nach Asien anstand, kamen wir leider nicht zum Trekken in Peru, was wirklich eine Schande ist, doch an den meisten Stellen ist dies aufgrund der Sicherheitslage auch nur mit Tour empfohlen, was unseren Spaß deutlich gemindert hätte. Die Touristenabzocke um Cuzco und Machu Picchu herum ist und bleibt uns ein Dorn im Auge. Das kullinarische Highlight der Südamerikareise erlebten wir in einem Restaurant in Lima, Astrid und Gaston boten Meerschwein, Seeteufel und Thunfischfilet auf allerhöchstem Niveau. Viva el Perú.¡Carajo!

Südamerika als soches gibt es nicht. Jedes Land, jede Region hat Eigenschaften und Eigenheiten die sie einzigartig machen. Die Landschaft, die Leute, die Kultur, das Essen, der Entwicklungstand, keine Region gleicht der anderen. Selbst die gemeinsame Sprache gibt es nicht: ja, Spanisch ist überall wichtig, aber Quechua, Aymara und unzählige kleinere Sprachen definieren die Menschen mehr als die vielen Varianten des importierten Spanisch. Und doch… man wird das Gefühl nicht los, das Südamerika, nachdem es vor 500 Jahren von den Spanien überrannt worden ist, in der heutigen Zeit von der US-Amerikanischen und Europäischen Lebensweise wieder überfahren wird. Dabei drohen endgültig große Teile der ohnehin fragilen Identität zu zerbrechen, was zurückbleibt ist scheinbar ein rückständiges, unvollkommenes Abbild der US-amerikanischen und europäischen Lebensweise, wobei doch das, was man erblickt, wenn diese Fassade nicht im Weg ist, so vielseitig und interessant ist…

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